LBN 406 – The Laughing Skull Nebula

LBN 406 – The Laughing Skull Nebula

LBN 406 ist eine äußerst lichtschwache Staubwolke im Sternbild Drache. Unter Astrofotografen ist die Region auch unter dem inoffiziellen Namen „The Laughing Skull Nebula“ bekannt.

Die Aufnahme zeigt allerdings weit mehr als nur LBN 406. Das gesamte Bildfeld ist von feinen Staubfilamenten durchzogen. Dazwischen finden sich zahlreiche weit entfernte Galaxien, die teilweise erst bei genauerem Hinsehen auffallen.

The Laughing Skull Nebula

Der Beiname „The Laughing Skull Nebula“ ist keine offizielle astronomische Bezeichnung, hat sich unter Astrofotografen aber recht gut etabliert.

Vor allem in einer entsprechend gedrehten Ansicht lässt sich im dichteren Bereich von LBN 406 tatsächlich die Form eines Schädels erkennen. Dunklere Bereiche erinnern an Augenhöhlen, während die umgebenden Staubstrukturen etwas von einem weit geöffneten, lachenden Mund haben.

Hat man den Schädel einmal erkannt, ist es jedenfalls schwierig, ihn anschließend wieder nicht zu sehen.

Staub weit über der Milchstraße

LBN 406 gehört zum ausgedehnten Draco-Staubkomplex. Neben LBN 406 befinden sich im aufgenommenen Feld auch LBN 413 und LBN 415.

Der Staub leuchtet dabei nicht selbst. Er wird vom schwachen Licht unserer Milchstraße beleuchtet und streut einen kleinen Teil davon in unsere Richtung. Entsprechend gering ist der Kontrast zum Himmelshintergrund.

In der sternlosen Version wird besonders schön sichtbar, dass es sich nicht um einzelne, klar voneinander getrennte Nebel handelt. Vielmehr ziehen sich die Staubstrukturen als zusammenhängendes Netz durch weite Teile des Bildfeldes.

LBN 406 und der Draco-Staubkomplex in einer sternlosen Ansicht

Besonders auffällig sind die langgezogenen und teilweise faserartigen Strukturen. Sie entstehen nicht einfach zufällig. Der Draco-Komplex ist eine dynamische Region aus Gas und Staub, deren ungewöhnliche Formen unter anderem durch Bewegungen und Wechselwirkungen des Materials geprägt werden.

LBN 406 im Detail

Der erste Ausschnitt zeigt den eigentlichen Hauptbereich von LBN 406.

Detailansicht von LBN 406 – The Laughing Skull Nebula

In der Vergrößerung wird sichtbar, wie komplex die Wolke aufgebaut ist. Dichtere Staubbereiche wechseln sich mit dunkleren Einbuchtungen und sehr feinen faserartigen Strukturen ab. Teilweise wirkt das Ganze fast wie Rauch, der langsam durch den Sternenhimmel zieht.

Im unteren Bereich des Ausschnitts befindet sich außerdem PGC 58928 beziehungsweise UGC 10548. Die kleine Hintergrundgalaxie besitzt weit ausladende Spiralarme, die sich beinahe ringförmig um ihr Zentrum ziehen. In dieser Galaxie wurde 2003 außerdem die Supernova SN 2003dw entdeckt.

Die feinen Filamente von LBN 413

Der zweite Ausschnitt zeigt den Bereich um LBN 413.

LBN 413 und die feinen Staubfilamente des Draco-Komplexes

Hier verändert sich das Erscheinungsbild deutlich. Statt des vergleichsweise kompakten Hauptbereichs von LBN 406 dominieren sehr feine und diffuse Staubfilamente. Einige davon erscheinen nur als hauchdünne Schleier und lösen sich allmählich im Hintergrund auf.

Gerade dieser Ausschnitt zeigt für mich sehr schön, wie unterschiedlich die Strukturen innerhalb desselben Staubkomplexes ausfallen können.

Ein Himmel voller Galaxien

Was in der eigentlichen Aufnahme zunächst kaum auffällt: Zwischen und hinter den Staubwolken befinden sich auffallend viele Galaxien.

Annotierte Aufnahme von LBN 406 mit den wichtigsten Nebeln und Galaxien

Die erste Annotation beschränkt sich auf die auffälligeren und benannten Objekte. Neben zahlreichen PGC-Galaxien befinden sich unter anderem NGC 6223, NGC 6258 und NGC 6189 im Bildfeld.

Damit liegen in einer einzigen Aufnahme völlig unterschiedliche Entfernungen übereinander. Im Vordergrund sehen wir Staub innerhalb unserer eigenen Milchstraße. Durch die Lücken zwischen den Filamenten reicht der Blick dagegen viele Millionen Lichtjahre hinaus zu anderen Galaxien.

Vollständige Annotation der zahlreichen Hintergrundgalaxien im Bildfeld von LBN 406

Die zweite, wesentlich umfangreichere Annotation geht deutlich tiefer und zeigt die Vielzahl der im Bild identifizierten Hintergrundgalaxien. Erst hier wird richtig deutlich, wie dicht der scheinbar leere Hintergrund tatsächlich mit weit entfernten Galaxien gefüllt ist.

Das ist für mich einer der besonders reizvollen Aspekte dieser Aufnahme: Eigentlich richtet sich die Kamera auf eine schwache Staubwolke unserer Milchstraße, und nebenbei kommen im Hintergrund Hunderte eigenständige Galaxien zum Vorschein.

Ein Objekt mit einem Jahr Pause

Die Entstehung dieser Aufnahme hat noch eine kleine Geschichte.

Mit LBN 406 hatte ich bereits im Frühjahr 2025 begonnen. Nach zwei Nächten war allerdings erst einmal Schluss. Das Wetter spielte ausgerechnet während der günstigen Zeit rund um die Kulmination nicht mehr mit, und irgendwann verschwand das Objekt aus meiner weiteren Planung.

Ein Jahr später, im Frühjahr 2026, sprang mir LBN 406 bei der Suche nach einem neuen Ziel erneut ins Auge. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich tatsächlich nicht mehr in Erinnerung, dass ich genau dieses Objekt bereits ein Jahr zuvor begonnen hatte.

Also plante ich die Aufnahme erneut und suchte mir einen passenden Bildausschnitt aus.

Das Kuriose daran: Ich landete praktisch exakt bei derselben Bildkomposition wie ein Jahr zuvor.

Erst anschließend fiel mir auf, dass auf der Festplatte bereits Aufnahmen aus 2025 lagen. Weil der Bildausschnitt nahezu identisch war, konnten die alten Daten ohne Probleme mit den neuen Aufnahmen kombiniert werden.

Offenbar hatte ich mir die Komposition besser gemerkt als das eigentliche Projekt.

So wurde aus einem fast vergessenen Zwei-Nächte-Projekt schließlich eine Aufnahme über sechs Nächte und zwei Jahre.

Lage am Himmel

LBN 406 befindet sich im Sternbild Drache, zwischen den bekannten Sternbildern Großer Bär und Kleiner Bär.

Lage von LBN 406 im Sternbild Drache

Visuell ist von den großflächigen Staubstrukturen kaum etwas zu erkennen. Erst fotografisch offenbart sich, wie ausgedehnt und komplex diese scheinbar unscheinbare Region tatsächlich ist.

38 Stunden 40 Minuten Belichtungszeit

Für die fertige Aufnahme kamen insgesamt 464 Einzelbelichtungen mit jeweils 300 Sekunden zusammen. Das entspricht einer Gesamtbelichtungszeit von 38 Stunden und 40 Minuten.

Die Daten entstanden in sechs Nächten:

30.04.2025: 6 h
01.05.2025: 6 h 30 min
21.04.2026: 6 h 30 min
22.04.2026: 6 h 30 min
23.04.2026: 6 h 40 min
24.04.2026: 6 h 30 min

Aufgenommen wurde die Region mit meinem TSQ-100 APO, einer Rainbow Astro RST-135 und der ZWO ASI6200MC Pro.

Gerade bei einem Objekt wie LBN 406 zeigt sich für mich, weshalb sich eine lange Belichtungszeit lohnt. Nicht der auffälligere Hauptbereich macht am Ende den größten Unterschied, sondern all die feinen Strukturen drumherum: schwache Staubschleier, kaum sichtbare Übergänge und die vielen kleinen Galaxien dazwischen. Genau diese Details machen die Region für mich letztlich so interessant.

Aufnahmedaten

Objekt: LBN 406 – The Laughing Skull Nebula
Sternbild: Drache
Teleskop: TS-Optics TSQ-100 APO
Montierung: Rainbow Astro RST-135
Kamera: ZWO ASI6200MC Pro
Einzelbelichtung: 300 Sekunden
Anzahl Aufnahmen: 464
Gesamtbelichtungszeit: 38 Stunden 40 Minuten
Aufnahmezeitraum: 30.04.2025 bis 24.04.2026