LDN 768 und das „Loch Ness Monster“ in Vulpecula
Mitten in einem der sternreichsten Bereiche der Milchstraße liegt die Region um LDN 768 im Sternbild Vulpecula. Die Aufnahme zeigt einen ausgedehnten Komplex aus Dunkelwolken, Reflexionsnebeln und zahllosen Sternen.
Auf den ersten Blick dominiert vor allem das extrem dichte Sternfeld. Erst bei genauerer Betrachtung treten immer mehr Staubstrukturen hervor. Einige erscheinen dunkel und klar begrenzt, andere nur als feine Abschwächung des Hintergrundes.
Kurzfacts
Objekt: LDN 768 und Umgebung
Objekttyp: Dunkelnebelkomplex mit Reflexionsnebeln
Sternbild: Vulpecula, Füchschen
Region: Sommermilchstraße
Ungefähre Position: RA 19h 25m / Dec +23°
Beiname: „Loch Ness Monster Nebula“
Markante Objekte: LDN 768, 769, 772, 773, 774, 775 sowie vdB 126 (LBN 134) und LBN 133
Ein Meer aus Sternen und Staub
Die Region liegt direkt im Band der Milchstraße und besitzt entsprechend eine sehr hohe Sterndichte. Genau dieser helle Hintergrund macht die Dunkelwolken besonders gut sichtbar.
Der interstellare Staub absorbiert das Licht der dahinterliegenden Sterne und erzeugt dadurch die braunen bis nahezu schwarzen Strukturen. Neben LDN 768 finden sich über das gesamte Bildfeld zahlreiche weitere Lynds-Dunkelnebel.
Der zugrunde liegende LDN-Katalog wurde 1962 von der amerikanischen Astronomin Beverly T. Lynds anhand von Aufnahmen des Palomar Observatory Sky Survey erstellt. Er umfasst rund 1800 Dunkelnebel mit den Katalognummern 1 bis 1802, die nach ihrer Opazität klassifiziert wurden.
Die annotierte Aufnahme zeigt, wie stark das gesamte Feld von Staub durchzogen ist. Manche Strukturen springen sofort ins Auge, andere werden erst durch leichte Veränderungen der Sterndichte sichtbar.
Das „Loch Ness Monster“
Mit etwas Fantasie lässt sich innerhalb des Dunkelnebelkomplexes tatsächlich eine langgestreckte Figur erkennen, die an das berühmte „Loch Ness Monster“ erinnert. LDN 773 und LDN 774 bilden dabei den Kopf, LDN 775 den Hals. LDN 769 und LDN 772 formen den Körper, während LDN 768 den unteren Bereich der Struktur bildet.
Gerade dieser Zusammenhang macht deutlich, dass LDN 768 fotografisch nur ein Teil eines wesentlich größeren Staubkomplexes ist.
Die Entfernung und tatsächliche Größe des Komplexes lassen sich nur grob abschätzen. Nach Amateurschätzungen liegt er in rund 4000 Lichtjahren Entfernung. Bei einer scheinbaren Ausdehnung von etwa 2 Grad würde das einer wahren Größe von ungefähr 150 Lichtjahren entsprechen.
vdB 126 (LBN 134) und LBN 133
Einer der auffälligsten Bereiche liegt rund um vdB 126, der auch als LBN 134 katalogisiert ist. Ein weiterer, schwächerer Reflexionsnebel in diesem Bereich wird als LBN 133 geführt.
Nach Angaben aus astrofotografischen Quellen wird vdB 126 durch HD 182918 beleuchtet, einen heißen, bläulichen Stern mit einer Helligkeit von etwa 8,6 bis 8,7 mag. Diese Angabe ist hier als Zuordnung aus astrofotografischen Quellen zu verstehen und nicht als katalogverifizierter Primärwert.
Das Licht benachbarter Sterne wird an den Staubpartikeln gestreut und erzeugt so den deutlichen blauen Farbkontrast zu den überwiegend braunen Dunkelwolken.
In direkter Umgebung befinden sich außerdem LDN 767, LDN 769 und LDN 772.
Weitere Dunkelwolken
Im oberen Teil der Aufnahme liegen unter anderem LDN 778, LDN 781, LDN 782, LDN 783 und LDN 784. Besonders LDN 781 zieht sich als längliche Staubstruktur durch das Sternfeld.
Am rechten Bildrand finden sich LDN 762, LDN 763, LDN 764 und LDN 771. LDN 764 fällt durch ihre deutlich strukturierte und ungleichmäßig dichte Form besonders auf.
LDN 768 selbst erscheint vergleichsweise diffus. Im selben Ausschnitt sind außerdem mehrere kleine PGC-Galaxien katalogisiert, die zwischen den zahllosen Sternen unserer Milchstraße nur als winzige diffuse Objekte erscheinen.
NGC 6793 im Bildfeld
Mit NGC 6793 befindet sich auch ein offener Sternhaufen innerhalb des aufgenommenen Feldes. Seine Position liegt bei RA 19h 23m 13s und Dec +22° 08′ 27″ (J2000). In der annotierten Aufnahme ist er am unteren Bildrand, etwas rechts der Mitte zu finden.
Eine aktuelle Untersuchung auf Basis von Gaia-DR3-Daten gibt für den Sternhaufen ein Alter von rund 650 Millionen Jahren an.
Lage am Himmel
Die Region liegt im Sternbild Vulpecula mitten in der Sommermilchstraße. Im selben Sternbild befindet sich auch der bekannte Hantelnebel M27. In der weiteren Umgebung liegen Cygnus, Lyra, Sagitta und Aquila. Im benachbarten Sternbild Lyra befindet sich zudem der Ringnebel M57.
Die Aufnahme
Für mich liegt der Reiz dieser Region vor allem darin, dass es nicht das eine dominante Objekt gibt. Erst beim längeren Betrachten zeigt sich, wie viele unterschiedliche Staubstrukturen in diesem Sternfeld verborgen sind.
Dazu kommen die kleinen blauen Reflexionsnebel, die einen schönen Kontrast zu den dunklen und bräunlichen Staubwolken bilden. Und mit dem „Loch Ness Monster“ steckt sogar noch eine markante Form im Bild, die man zunächst leicht übersieht.
Über sieben Nächte entstanden insgesamt 652 Einzelbelichtungen mit jeweils 180 Sekunden. Zwei Aufnahmen wurden verworfen, sodass 650 Aufnahmen mit insgesamt 32 Stunden und 30 Minuten Belichtungszeit in das finale Bild eingingen.
Die Bearbeitung erfolgte in PixInsight und Photoshop. Dabei war mir wichtig, die feinen Staubstrukturen sichtbar zu machen, ohne das extrem dichte Sternfeld zu stark zurückzudrängen.
Aufnahmedaten
Aufnahmezeitraum: 09.07.2026 bis 14.08.2026
Teleskop: TS-Optics TSQ-100 Apo
Montierung: RainbowAstro RST-135
Kamera: ZWO ASI6200MC Pro
Filter: keiner
Einzelbelichtung: 180 Sekunden
Aufnahmen: 650
Belichtungszeit: 32 h 30 min
Aufnahmenächte: 7
Bearbeitung: PixInsight, Photoshop






